Patientenratgeber Ernährungsmedizin

Nährstoffe als Medizin
verstehen & nutzen

Mikro- und Makronährstoffe sind die Grundlage Ihrer Gesundheit. Erfahren Sie, warum eine gezielte Nährstoffversorgung bei Migräne, ADHS, Erschöpfung, Arteriosklerose und vielen weiteren Beschwerdebildern entscheidend ist.

  • Wissenschaftlich fundierte Ernährungsmedizin
  • Mikro- & Makronährstoffe verständlich erklärt
  • Behandlungsansätze für häufige Beschwerdebilder
Grundlagen

Makro- und Mikronährstoffe –
die Basis Ihrer Gesundheit

Unser Körper benötigt täglich eine Vielzahl an Nährstoffen, um alle Funktionen optimal aufrechtzuerhalten. Während Makronährstoffe die Energie liefern, steuern Mikronährstoffe als biochemische Schalter nahezu jeden Stoffwechselprozess.

Wichtig zu wissen: Selbst bei ausgewogener Ernährung können Mängel entstehen – durch Stress, Medikamente, genetische Besonderheiten, Resorptionsstörungen oder erhöhten Bedarf in bestimmten Lebensphasen. Regelmäßige Laborkontrollen sind daher empfehlenswert.

Makronährstoffe: Energie & Struktur

Kohlenhydrate

45–60 % der Energiezufuhr

Kohlenhydrate sind der bevorzugte Energielieferant des Körpers, insbesondere für Gehirn und Muskeln. Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Gemüse liefern gleichmäßige Energie und wertvolle Ballaststoffe, die das Mikrobiom nähren.

Proteine & Aminosäuren

0,8–1,6 g pro kg Körpergewicht

Proteine sind Bausteine für Muskeln, Enzyme, Hormone und Immunzellen. Sie bestehen aus 20 Aminosäuren, von denen 9 essenziell sind – der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist besonders für Sportler, ältere Menschen und Vegetarier essenziell.

Gesunde Fette

30–35 % der Energiezufuhr

Fette sind unverzichtbar für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K), die Hormonproduktion und die Zellmembranstruktur. Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl, Walnüssen und fettem Fisch wirken entzündungshemmend und schützen das Herz-Kreislauf-System.

Ballaststoffe

Mind. 30 g täglich

Ballaststoffe sind unverdauliche Pflanzenstoffe, die das Darmmikrobiom ernähren, den Blutzucker stabilisieren und das Cholesterin senken. Sie sind in Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten reichlich enthalten und gelten als Schlüssel für ein gesundes Immunsystem.

Wichtige Mikronährstoffe im Überblick

NährstoffHauptfunktionMangelsymptome
Vitamin DImmunsystem, Knochen, StimmungErschöpfung, Infektanfälligkeit, Depression
MagnesiumNerven, Muskeln, EnergiestoffwechselMigräne, Krämpfe, Schlafstörungen
Vitamin B12Nerven, Blutbildung, DNA-SyntheseErschöpfung, Neuropathie, Anämie
EisenSauerstofftransport, EnergieproduktionMüdigkeit, Konzentrationsschwäche, Haarausfall
ZinkImmunabwehr, Wundheilung, HormoneInfektanfälligkeit, Hautprobleme, Libidoverlust
Omega-3Entzündungshemmung, Gehirn, HerzEntzündungen, Stimmungstiefs, kognitive Einschränkungen
Folsäure (B9)Zellteilung, Schwangerschaft, NervenAnämie, Neuralrohrdefekte, Erschöpfung
Vitamin CImmunsystem, Kollagen, AntioxidansInfektanfälligkeit, schlechte Wundheilung, Müdigkeit
Diagnostik

Vollblutanalyse –
Nährstoffmängel früher erkennen

Die Vollblutanalyse ist der Goldstandard der Nährstoffdiagnostik. Im Gegensatz zur herkömmlichen Serumanalyse misst sie den tatsächlichen intrazellulären Nährstoffgehalt – dort, wo Vitamine und Mineralstoffe tatsächlich wirken.

Früherkennung von Mängeln

Vollblutanalysen erkennen Nährstoffdefizite, bevor klinische Symptome auftreten. Besonders bei Magnesium, Zink und Selen zeigt der Serumwert erst bei schwerem Mangel Abweichungen – wenn bereits erhebliche Schäden entstanden sind.

Intrazelluläre Messung

Über 90 % aller Nährstoffe befinden sich intrazellulär – also in den Zellen, wo sie wirken. Das Serum enthält nur den Transport-Anteil. Die Vollblutanalyse misst den tatsächlichen Nährstoffgehalt in Erythrozyten und Leukozyten.

Funktioneller Status

Der Vollblutwert spiegelt den funktionellen Nährstoffstatus wider – also wie viel tatsächlich für Stoffwechselprozesse zur Verfügung steht. Dies ist klinisch deutlich relevanter als der Transportwert im Serum.

Vermeidung von Fehldiagnosen

Viele Patienten mit typischen Mangelsymptomen (Erschöpfung, Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen) haben "normale" Serumwerte, aber erniedrigte Vollblutwerte. Ohne Vollblutdiagnostik bleiben diese Mängel unentdeckt.

🧲

Fallbeispiel: Magnesium im Vollblut

Warum der Serumwert täuscht – und was das für Patienten bedeutet

Das Magnesium-Paradox

Magnesium ist zu über 99 % intrazellulär gespeichert – in Knochen, Muskeln und Organen. Im Blutserum befinden sich nur etwa 0,3 % des Gesamtmagnesiums. Der Körper reguliert den Serummagnesiumspiegel sehr präzise: Sobald der Serumspiegel zu sinken droht, wird Magnesium aus den Zellen freigesetzt – auf Kosten des intrazellulären Speichers.

Das bedeutet: Ein normaler Serumwert schließt einen Magnesiummangel nicht aus. Patienten mit Migräne, Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen oder chronischer Erschöpfung können trotz normalem Serum-Mg deutlich erniedrigte Vollblutwerte aufweisen.

Typische Symptome bei latentem Magnesiummangel

  • Muskelkrämpfe, Wadenkrämpfe
  • Migräne und Spannungskopfschmerzen
  • Herzrhythmusstörungen, Herzrasen
  • Innere Unruhe, Schlafstörungen
  • Chronische Erschöpfung, Antriebslosigkeit
  • Verstopfung, Darmkrämpfe

Serum vs. Vollblut – der Unterschied

Magnesium im Serum⚠ Unzuverlässig

0,75–0,95 mmol/l

Misst nur ~0,3 % des Gesamtmagnesiums • Normwert schließt Mangel nicht aus • Wird durch Knochen-Mobilisierung konstant gehalten

Magnesium im Vollblut✓ Goldstandard

1,38–1,50 mmol/l

Misst intrazellulären Magnesiumgehalt in Erythrozyten • Zeigt funktionellen Versorgungsstatus • Erkennt latenten Mangel frühzeitig

Therapieempfehlung bei Magnesiummangel

Magnesiumglycinat 300–400 mg/Tag– Beste Verträglichkeit, ideal bei Schlafproblemen
Magnesiummalat 300–500 mg/Tag– Besonders geeignet bei Erschöpfung & Fibromyalgie
Magnesiumthreonat 144 mg/Tag– Überquert Blut-Hirn-Schranke, ideal bei Migräne & kognitiven Symptomen

Serum vs. Vollblut – Wichtige Nährstoffe im Vergleich

NährstoffSerum-ReferenzVollblut-ZielwertWarum Vollblut überlegen ist
🧲Magnesium
0,75–0,95 mmol/l
1,38–1,50 mmol/l
Serum zeigt erst bei schwerem Mangel Abweichungen – Vollblut erkennt latenten Mangel frühzeitig
Zink
11–18 µmol/l
7–10 mg/l
Zink ist zu 85 % intrazellulär – Serumwert spiegelt den tatsächlichen Zinkstatus kaum wider
🛡️Selen
80–150 µg/l
120–160 µg/l
Vollblut erfasst den Langzeitstatus, Serum schwankt stark je nach letzter Mahlzeit
🔬Kupfer
0,75–1,45 mg/l
0,8–1,3 mg/l
Vollblut zeigt den funktionellen Kupferstatus in Erythrozyten – relevant für Enzymaktivitäten
⚙️Mangan
< 1,2 µg/l
8–12 µg/l
Mangan ist fast ausschließlich intrazellulär – Serumwert ist diagnostisch nahezu wertlos

Vollblutanalyse in unserer Praxis

Wir führen umfassende Vollblutanalysen durch und interpretieren die Ergebnisse im klinischen Kontext. So erkennen wir Nährstoffdefizite, bevor sie zu Beschwerden führen.

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Beschwerdebilder

Häufige Beschwerden –
ernährungsmedizinisch betrachtet

Viele chronische Erkrankungen und Beschwerden haben eine ernährungsmedizinische Komponente. Die gezielte Diagnostik und Therapie von Nährstoffmängeln kann die Lebensqualität erheblich verbessern.

🧠

Migräne

Nährstoffmangel als häufige Ursache

Magnesium, Riboflavin (B2) und Coenzym Q10 spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Prävention von Migräneattacken.

Magnesium 400–600 mg/TagVitamin B2 400 mg/TagCoenzym Q10 100–300 mg/Tag+1 weitere

ADHS & Konzentration

Nährstoffe für Aufmerksamkeit und Fokus

Omega-3-Fettsäuren, Zink, Eisen und Magnesium beeinflussen die Neurotransmitterproduktion und können ADHS-Symptome lindern.

Omega-3 (EPA/DHA) 1–2 g/TagZink 15–25 mg/TagEisen (bei Mangel)+2 weitere
🔋

Erschöpfung & Burnout

Wenn der Akku dauerhaft leer ist

Chronische Erschöpfung ist häufig mit Mängeln an Eisen, Vitamin D, B-Vitaminen und Coenzym Q10 assoziiert.

Eisen/Ferritin (Laborcheck!)Vitamin D 2000–5000 IE/TagVitamin B12 500–1000 µg/Tag+3 weitere
🩸

Eisenmangel

Häufig unterschätzt und fehldiagnostiziert

Eisenmangel ist die häufigste Mangelerscheinung weltweit – besonders bei Frauen, Vegetarierinnen und Sportlerinnen.

Eisenbisglycinat 14–28 mg/TagVitamin C zur ResorptionsverbesserungFerritin-Zielwert: >50–80 ng/ml
❤️

Arteriosklerose & Herzgesundheit

Ernährung als Prävention und Therapie

Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, Folsäure und Vitamin K2 schützen die Gefäße und reduzieren das kardiovaskuläre Risiko.

Omega-3 (EPA/DHA) 1–4 g/TagVitamin K2 (MK-7) 100–200 µg/TagFolsäure + B6 + B12+2 weitere
🧬

Neurologische Erkrankungen

Nährstoffe für Gehirn und Nervensystem

Das Nervensystem ist besonders empfindlich gegenüber Nährstoffmängeln. B-Vitamine, Omega-3 und Magnesium sind essenziell für die Nervengesundheit.

Vitamin B12 500–1000 µg/TagOmega-3 (DHA) 1–2 g/TagMagnesium 300–500 mg/Tag+2 weitere

Hinweis: Die hier genannten Nährstoffempfehlungen dienen der allgemeinen Information. Vor einer Supplementierung sollte immer eine ärztliche Beratung und Labordiagnostik erfolgen, um individuelle Mängel festzustellen und die richtige Dosierung zu bestimmen.

Kreatin

Kreatin –
mehr als ein Sportler-Supplement

Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin gebildet wird. Es ist der wichtigste Energiepuffer für Muskeln und Gehirn – und eines der am besten untersuchten Supplemente der Medizin. Die Anwendungsgebiete gehen weit über den Sport hinaus.

🏋️

Kreatin für Sportler

Kreatin ist das am besten untersuchte Supplement im Leistungssport. Es erhöht die Phosphokreatin-Speicher in den Muskeln und verbessert damit die Energiebereitstellung bei kurzen, intensiven Belastungen.

Belegte Wirkungen

Steigerung der maximalen Kraftleistung um 5–15 %

Verbesserung der Wiederholungsleistung bei Krafttraining

Schnellere Regeneration zwischen Sätzen und Einheiten

Erhöhte Muskelmasse durch verbesserte Proteinsynthese

Reduktion von Muskelschäden und Entzündungsmarkern

Verbesserung der Ausdauerleistung bei hochintensiven Intervallen

Hinweis: Kreatin-Monohydrat ist die am besten untersuchte und kostengünstigste Form. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mind. 2,5 l/Tag) ist wichtig.

Dosierungsempfehlung

Ladephase (optional)
20 g/Tag5–7 Tage

Aufgeteilt in 4 × 5 g – schnellere Sättigung der Muskelspeicher

Erhaltungsdosis
3–5 g/TagDauerhaft

Täglich, idealerweise nach dem Training mit Kohlenhydraten

Ohne Ladephase
3–5 g/TagAb Tag 1

Volle Wirkung nach ca. 4 Wochen – schonender für den Magen

Empfohlene Kreatin-Formen

Kreatin-Monohydrat⭐⭐⭐⭐⭐

Goldstandard – am besten untersucht, günstigste Option

Kreatin-HCl⭐⭐⭐⭐

Bessere Löslichkeit, geringere Dosis nötig, magenfreundlicher

Kreatin-Ethylester⭐⭐

Kein Vorteil gegenüber Monohydrat – nicht empfohlen

Wichtige Informationen zur Kreatin-Supplementierung

Sicherheitsprofil

Kreatin-Monohydrat ist eines der sichersten und am besten untersuchten Supplemente überhaupt. Über 1.000 klinische Studien belegen Wirksamkeit und Sicherheit.

Nierenfunktion

Bei gesunden Nieren ist Kreatin unbedenklich. Bei vorbestehenden Nierenerkrankungen sollte die Einnahme mit dem Arzt besprochen werden.

Wassereinlagerung

In der Anfangsphase kann Kreatin zu leichten Wassereinlagerungen in der Muskulatur führen (+1–2 kg). Dies ist physiologisch und kein Fettaufbau.

Vegetarier & Veganer

Kreatin kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Vegetarier und Veganer haben deutlich niedrigere Kreatinspeicher und profitieren besonders von der Supplementierung.

Aminosäuren

Aminosäuren –
Bausteine des Lebens

Aminosäuren sind die Grundbausteine aller Proteine im Körper. Sie sind nicht nur für Muskelaufbau und Regeneration essenziell, sondern auch für die Produktion von Neurotransmittern, Hormonen, Enzymen und Immunzellen.

Von den 20 proteinogenen Aminosäuren sind 9 essenziell – der Körper kann sie nicht selbst herstellen und ist auf die Nahrungszufuhr angewiesen. Weitere Aminosäuren werden unter bestimmten Bedingungen (Stress, Krankheit, Sport) zu bedingt essenziellen Nährstoffen.

Wichtig für Vegetarier & Veganer: Pflanzliche Proteine haben häufig ein unvollständiges Aminosäureprofil. Durch geschickte Kombination (z.B. Hülsenfrüchte + Getreide) oder gezielte Supplementierung lässt sich eine vollständige Versorgung sicherstellen.

Aminosäuren und Proteinstrukturen

Die 9 essenziellen Aminosäuren

AminosäureFunktionQuellenBedeutung
TryptophanSerotonin- & MelatoninvorstufeTruthahn, Eier, Käse, NüsseStimmung, Schlaf, Schmerzempfinden
LeucinMuskelproteinsynthese (mTOR)Fleisch, Fisch, HülsenfrüchteMuskelaufbau, Regeneration
IsoleucinEnergieversorgung der MuskelnFleisch, Fisch, Eier, LinsenAusdauer, Muskelregeneration
ValinMuskelfunktion, EnergiestoffwechselFleisch, Milchprodukte, NüsseMuskelkoordination, mentale Energie
LysinKollagensynthese, ImmunfunktionFleisch, Fisch, HülsenfrüchteWundheilung, Knochen, Immunabwehr
MethioninMethylierungsprozesse, EntgiftungFleisch, Fisch, Eier, SesamLeberfunktion, Hormonbalance
PhenylalaninDopamin- & NoradrenalinvorstufeFleisch, Fisch, Milch, NüsseStimmung, Motivation, Schmerzlinderung
ThreoninKollagen, Immunsystem, DarmFleisch, Fisch, HülsenfrüchteDarmgesundheit, Immunfunktion
HistidinHistaminstoffwechsel, WachstumFleisch, Fisch, HülsenfrüchteImmunregulation, Nervenfunktion

Bedingt essenzielle Aminosäuren

Glutamin

Wichtigste Aminosäure für Darmzellen und Immunsystem. Bei Stress, Krankheit und intensivem Sport stark erhöhter Bedarf.

Arginin

Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO) – wichtig für Gefäßerweiterung, Blutdruck und Immunabwehr. Bei Arteriosklerose und Herzerkrankungen relevant.

Taurin

Unterstützt Herzfunktion, Nervensystem und Antioxidantienabwehr. Besonders wichtig für Vegetarier und Veganer, die kaum Taurin über die Nahrung aufnehmen.

Cystein

Vorstufe von Glutathion – dem wichtigsten körpereigenen Antioxidans. Unterstützt Entgiftung und Immunfunktion.

Tyrosin

Vorstufe von Dopamin, Noradrenalin und Schilddrüsenhormonen. Bei Stress und Erschöpfung erhöhter Bedarf.

Zielgruppen

Individuelle Nährstoffbedürfnisse –
je nach Lebenssituation

Nährstoffbedarf ist nicht universell. Sportler, Frauen in verschiedenen Lebensphasen und Menschen mit pflanzlicher Ernährung haben spezifische Anforderungen, die eine gezielte Anpassung erfordern.

Ernährung für Sportler

Wichtige Nährstoffe

Protein 1,6–2,0 g/kgKreatin 3–5 g/TagMagnesium 400–600 mgEisen (Laborcheck)Vitamin D 2000–4000 IEBCAAs / EAAsOmega-3 2–4 g

Ernährung für Sportler

Leistung, Regeneration & Schutz vor Überlastung

Sportler haben einen deutlich erhöhten Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen. Nährstoffmängel beeinträchtigen nicht nur die Leistung, sondern erhöhen auch das Verletzungsrisiko und verzögern die Regeneration.

1Erhöhter Proteinbedarf

Ausdauersportler benötigen 1,2–1,6 g Protein pro kg Körpergewicht, Kraftsportler bis zu 1,8–2,0 g/kg. Besonders wichtig sind die essenziellen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin (BCAAs), die die Muskelproteinsynthese stimulieren und den Muskelabbau während intensiver Einheiten reduzieren.

2Mikronährstoffe für Sportler

Eisen (besonders bei Ausdauersportlerinnen durch Hämolyse und Menstruation), Magnesium (Muskelkontraktionen, Energiestoffwechsel), Vitamin D (Muskelfunktion, Knochengesundheit), Zink (Testosteronproduktion, Immunfunktion) und B-Vitamine (Energiestoffwechsel) haben bei Sportlern einen erhöhten Bedarf.

3Timing & Regeneration

Das Timing der Nährstoffzufuhr ist bei Sportlern besonders wichtig: Kohlenhydrate vor dem Training für Energie, Protein innerhalb von 30–60 Minuten nach dem Training für optimale Muskelproteinsynthese, Omega-3-Fettsäuren zur Reduktion von Entzündungen und Muskelkater.

4Häufige Mängel bei Sportlern

Studien zeigen, dass Leistungssportler besonders häufig unter Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel, Magnesiummangel und unzureichender Kalorienzufuhr leiden. Regelmäßige Laborkontrollen sind empfehlenswert.

5Kreatin – das Kraft- und Regenerations-Supplement

Kreatin-Monohydrat ist das am besten untersuchte Supplement im Leistungssport. Es erhöht die Phosphokreatin-Speicher in den Muskeln, steigert die Kraftleistung um 5–15 %, verbessert die Regeneration und fördert den Muskelaufbau. Empfohlen: 3–5 g/Tag dauerhaft (ohne Ladephase) oder 20 g/Tag für 5–7 Tage als Ladephase, dann 3–5 g/Tag als Erhaltungsdosis.

Prävention

Prävention durch Ernährung –
Arteriosklerose & Zivilisationskrankheiten

Die meisten chronischen Erkrankungen unserer Zeit sind zu einem großen Teil ernährungsbedingt und damit vermeidbar. Gezielte Ernährungsmedizin ist die wirksamste Präventionsstrategie.

80 %

der Herzerkrankungen sind durch Ernährung und Lebensstil vermeidbar

30 %

Risikoreduktion für Herzinfarkt durch mediterrane Ernährung (PREDIMED)

50 %

der Deutschen haben Vitamin-D-Mangel – ein zentraler Risikofaktor

40 %

Reduktion des Schlaganfallrisikos durch optimale Omega-3-Versorgung

Prävention von Arteriosklerose durch Ernährung

Arteriosklerose verstehen

Arteriosklerose beginnt als chronisch-entzündlicher Prozess im Gefäßendothel. Oxidiertes LDL-Cholesterin, erhöhtes Homocystein, Insulinresistenz und Entzündungsmarker (CRP, IL-6) sind die wichtigsten Risikofaktoren – und alle sind durch Ernährung beeinflussbar.

Schlüsselnährstoffe

Omega-3Vitamin K2FolsäureMagnesiumPolyphenoleVitamin E

Präventionsstrategien im Überblick

🫒

Mediterrane Ernährung

Die mediterrane Ernährung ist die am besten untersuchte Ernährungsform zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Kernelemente: reichlich Olivenöl (extra vergine), Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch, wenig rotes Fleisch und verarbeitete Lebensmittel.

🫐

Antioxidantien & freie Radikale

Oxidativer Stress ist ein zentraler Mechanismus bei Arteriosklerose, Krebs und Neurodegeneration. Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin, Selen, Zink und Polyphenole aus Beeren, Grüntee und dunkler Schokolade neutralisieren freie Radikale.

🌿

Entzündungshemmende Ernährung

Chronische Entzündungen sind der gemeinsame Nenner vieler Zivilisationskrankheiten. Omega-3-Fettsäuren, Kurkuma (Curcumin), Ingwer, Quercetin und Resveratrol wirken entzündungshemmend. Zucker, Transfette und hochverarbeitete Lebensmittel fördern Entzündungen.

🦠

Darmgesundheit & Mikrobiom

Ein gesundes Darmmikrobiom ist essenziell für Immunfunktion, Stimmung und Stoffwechsel. Ballaststoffe (Präbiotika), fermentierte Lebensmittel (Probiotika), Polyphenole und Vermeidung von Antibiotika-Übergebrauch schützen die Darmflora.

📊

Blutzucker & Insulinsensitivität

Chronisch erhöhter Blutzucker und Insulinresistenz sind Haupttreiber von Arteriosklerose, Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom. Ballaststoffreiche Ernährung, Magnesium, Chrom, Zimt und Berbetin verbessern die Insulinsensitivität.

🧪

Homocystein senken

Erhöhtes Homocystein schädigt das Gefäßendothel und ist ein unabhängiger Risikofaktor für Arteriosklerose und Demenz. Folsäure, Vitamin B6 und B12 sind essenziell für den Homocysteinabbau. Regelmäßige Kontrolle empfohlen.

Ernährungstipps

Praktische Ernährungsempfehlungen –
im Alltag umsetzen

Gesunde Ernährung muss nicht kompliziert sein. Mit den richtigen Grundprinzipien und einer strukturierten Tagesplanung können Sie Ihre Nährstoffversorgung deutlich verbessern.

Optimale Tagesplanung

1

Frühstück

Vollkornbrei mit Beeren, Nüssen und Leinsamen

Nährstoffe: Ballaststoffe, Omega-3, Antioxidantien, Magnesium

💡 Haferflocken über Nacht einweichen verbessert die Nährstoffverfügbarkeit
2

Mittagessen

Hülsenfrüchte + Vollkorngetreide + buntes Gemüse + Olivenöl

Nährstoffe: Komplette Aminosäuren, Eisen, Vitamin C, gesunde Fette

💡 Vitamin C aus Paprika oder Zitronensaft verbessert die Eisenresorption
3

Snack

Handvoll Walnüsse + Apfel oder Beeren

Nährstoffe: Omega-3, Polyphenole, Ballaststoffe, Vitamin C

💡 Walnüsse haben den höchsten Omega-3-Gehalt aller Nüsse
4

Abendessen

Fetter Fisch (2× wöchentlich) oder Tofu + Gemüse + Salat

Nährstoffe: EPA/DHA, Protein, Vitamin D, Jod

💡 Lachs, Makrele und Hering sind besonders reich an Omega-3

Die 10 goldenen Ernährungsregeln

Essen Sie täglich mindestens 5 Portionen Gemüse und Obst in verschiedenen Farben

Bevorzugen Sie Vollkornprodukte gegenüber Weißmehlprodukten

Integrieren Sie täglich Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen)

Verwenden Sie Olivenöl extra vergine als Hauptfettquelle

Essen Sie 2–3 Mal pro Woche fetten Fisch (Lachs, Makrele, Hering)

Reduzieren Sie Zucker, Weißmehl und hochverarbeitete Lebensmittel

Trinken Sie täglich 1,5–2 Liter Wasser oder ungesüßten Kräutertee

Essen Sie regelmäßig Nüsse und Samen (30 g täglich)

Fermentierte Lebensmittel (Joghurt, Kefir, Sauerkraut) täglich integrieren

Kochen Sie mit Kurkuma, Ingwer und Knoblauch – natürliche Entzündungshemmer

Empfohlene Laborwerte

ParameterZielwertFrequenz
Ferritin> 50–80 ng/ml1–2× jährlich
Vitamin D (25-OH)40–60 ng/ml1–2× jährlich
Vitamin B12 (Holotranscobalamin)> 50 pmol/l1× jährlich
Magnesium (Vollblut)1,38–1,50 mmol/l1× jährlich
Omega-3-Index> 8 %1× jährlich
Homocystein< 10 µmol/l1× jährlich
Zink (Vollblut)7–10 mg/l1× jährlich
hsCRP (Entzündung)< 1 mg/l1× jährlich

Hinweis: Die hier genannten Zielwerte sind Orientierungswerte aus der Funktionellen Medizin und können von den Referenzbereichen der Labore abweichen. Bitte besprechen Sie Ihre Laborwerte mit einem Arzt.

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Dieser Ratgeber gibt allgemeine Empfehlungen. Für eine individuelle Nährstoffdiagnostik, Laborauswertung und persönliche Therapieplanung empfehlen wir eine ärztliche Beratung.

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